München."Alle Welt sucht IT-Fachkräfte. Bei uns
arbeiten sie, und zwar gut ausgebildet. Sie entwickeln mit Teams -
etwa von Siemens oder BMW - neue Computerprogramme. Oder sie betreuen
bestehende Computersysteme, indem sie für Bosch-Mitarbeiter über eine
Hotline als Problemlöser zur Verfügung stehen."
Michael Lieb, Geschäftsführer der Programmier-Service GmbH, ist auf seine 180 Mitarbeiter zu Recht stolz. Denn es handelt sich um schwer und schwerst Körperbehinderte. Viele sitzen im Rollstuhl, einige können die Arme nicht bewegen und bedienen ihre Computer mit dem Kopf- oder Mundstab.
Die Hemmschwelle vieler Unternehmen, Behinderte einzustellen, ist hoch. Lieb: "Die PSG bietet Dienstleistungen an, die von fest angestellten Behinderten erbracht werden. Damit übernehmen wir das vermeintliche Anstellungsrisiko." Ein entscheidender Vorteil für die Kunden. Ein weiterer kommt hinzu: Die Hälfte des von der PSG in Rechnung gestellten Betrages wird auf die Behinderten-Ausgleichsabgabe angerechnet.
Das Unternehmen gehört zu der Pfennigparade (siehe Kasten), die Menschen hilft, die nach einem schweren Sport- oder Verkehrsunfall oder wegen angeborener Behinderung ihr Leben anders als Nichtbehinderte führen.
Holger Sommer, Geschäftsführer der Verwaltungs- und
Beteiligungsgesellschaft für Behindertenwerkstätten (VUB), nennt als
wichtigstes Ziel: "Wir wollen den Behinderten möglichst viel Normalität
bieten und ihnen ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Für
den Kunden steht das fachliche Wissen im Vordergrund, und die Behinderung
verliert an Bedeutung."
Schon nach kurzer Zeit sitzt der schwer behinderte Programmierer im Team neben seinem gesunden Kollegen. Sommer: "Da ist es selbstverständlich, dass diese beiden auch den gleichen Lohn bekommen - nach Metalltarif." Die Spitzengehälter erreichen 9 000 Mark.
Entsprechend hoch ist die Motivation. Lieb: "Manch einen müssen wir mit Nachdruck auf das Ende der Arbeitszeit aufmerksam machen. Die Arbeit macht so viel Freude, dass viele gar nicht Feierabend machen wollen." Dank ihrer guten Leistungen bekommen die Behinderten oft Angebote der Firmen, in denen sie eingesetzt sind. "Den letzten Reha-Schritt", so Sommer, "machen sie selbst: Wer stabil und mobil genug ist, verlässt uns."
10 Prozent gingen in den letzten drei Jahren diesen Weg. Qualifizierte Behinderte gibt es genug. Sommer: "Man muss ihnen nur die Chance geben."
Matthias Nauerth
Die Pfennigparade, 1952 von Münchnern gegründet, greift die Idee des amerikanischen "March of Dimes" (Marsch der Zehncentstücke) zur Hilfe für Opfer der Kinderlähmung auf. Seit 1973 unterhält sie Werkstätten und Dienstleistungszentren, in denen über 700 Körperbehinderte beschäftigt sind.
Die Programmier-Service GmbH (PSG) bietet Software-Entwicklung, Scanning-Service, Mikroverfilmung und Problemlösung für Computer an. Standorte sind München, Augsburg, Eschborn bei Frankfurt und Deizisau bei Stuttgart. Etwa die Hälfte der 180 Mitarbeiter ist bei den Kunden vor Ort im Einsatz.
Die Büro-Kommunikation und Grafik-Design Service
GmbH (BKG) ist mit 145 Mitarbeitern professioneller Dienstleister für
alle Bürobereiche - von Datenverarbeitung und IV-Benutzerservice bis
Direktmarketing. Die Werkstatt für Körperbehinderte (WKM) bietet den
handwerklich und künstlerisch Begabten Entfaltungsmöglichkeiten beim Malen
von Aquarellen und Ölbildern, Herstellen von Werbemitteln,
Stuhlrestauration oder Garten-Service. Eine Verlags- und
Sortimentsbuchbinderei (VSB) rundet das Spektrum ab.
1999 erwirtschafteten die in der Dachgesellschaft VUB zusammengefassten Firmen rund 52 Millionen Mark Umsatz. Ihre Leistungen nehmen bis zu 80 Unternehmen in Anspruch.
Quelle: Wirtschaftszeitung AKTIV